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Sexuelle Übergriffe auf Jungen – Erkennen und Handeln

Laut der von uns initiierten Studie der Freien Universität Berlin wird jeder 4. Junge in der Öffentlichkeit durch pädosexuelle Erwachsene angesprochen, bei jedem 12. Jungen kommt es zu sexueller Gewalt mit oder ohne Körperkontakt.

Potentielle Täter_innen können dem direkten/familiären Umfeld von Jungen entstammen, bewegen sich aber auch in Freizeit- und Aufenthaltsräumen von Jungen – dies können Schwimmbäder, Spiel- und Sportplätze, Einkaufscenter, Straßen und Plätze, Freizeiteinrichtungen oder das Internet (Chat, soziale Netzwerke) sein. Bei der Kontaktanbahnung zu Jungen gehen sie meist bewusst und geplant vor. Manchmal halten sich Jungen in offenen Wohnungen auf,  in denen es im Verlauf zu Übergriffen kommen kann.

Da pädosexuelle Menschen nicht unbedingt dem Klischee des/r brutalen Vergewaltigers/in entsprechen, sondern zunächst freundlich sind und ihre Absichten verschleiern, ist eine Gefahr für Jungen oft nicht sofort spürbar. Zudem können pädosexuelle Männer fehlende männliche Bezugspersonen für Jungen ersetzen. Das macht es für alle Beteiligten so schwer, auf ihre Täterstrategien zu reagieren.

Täter_innen, die sexuelle Kontakte zu Jungen suchen, versuchen das Vertrauen von Jungen zu gewinnen, indem sie z. B. Interesse an dem, was Jungen Spaß macht, zeigen.

Vielleicht werden einzelne Jungen bevorzugt, um einen Keil in die Beziehung zwischen einem Jungen und seiner Familie oder seinen Freunden zu treiben. Täter_innen belohnen Jungen, indem sie sagen, wie toll ein Junge aussieht, oder wie gut er etwas macht, bieten ihm Geld oder Geschenke an und versuchen, mit ihm alleine zu sein. Sie versuchen, mit Jungen Geheimnisse zu teilen oder ihnen Geheimnisse anzuvertrauen und sie zur Geheimhaltung zu verpflichten.

Im Lauf der Zeit können Täter_innen in ihrem Verhalten immer stärker grenzüberschreitend werden und versuchen schließlich, sexuelle Gewalt auszuüben.

Kontaktversuche werden mit körperlichen Berührungen und Verlockungen kombiniert, die wiederum als Druckmittel benutzt werden können – wie Alkohol trinken, Pornos gucken, kiffen oder sexualisierte Sprache. Wenn Jungen diese Vorgehensweise erkennen, können sich besser dagegen wehren.

 

Laut sein kann helfen, NEIN oder STOP rufen!

Im Notfall hilft Weglaufen und Hilfe holen.

 

Hilfe und Unterstützung für Jungen

Erwachsene sollten ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte von Jungen haben, ihnen zuhören, ohne zu bewerten und fragen, ohne sie zu bedrohen. Schaffen Sie eine offene und angstfreie Atmosphäre. Machen Sie keine Vorwürfe und vermeiden Sie das Wort “Opfer”. Fragen Sie von sich aus, ob Jungen schon mal ein Erlebnis hatten, dass sie „nicht so richtig“ einordnen konnten. Reden Sie mit Jungen über die oben beschriebenen Strategien pädosexueller Täter_innen.

Wenn Ihnen in der Öffentlichkeit etwas irritierend vorkommt, gehen Sie ruhig hin und fragen Sie den Jungen, ob alles O.K. ist. Kein Täter/keine Täterin möchte ertappt werden. Freunde, Eltern oder Erziehungsberechtigte sollten Ihr Nachfragen verstehen.

Versuchen Sie nicht, mit allen Mitteln das Schweigen von Jungen zu brechen, oft wirken die Drohungen der Täter_innen noch. Wenn Sie eine Anzeige machen möchten, wenden Sie sich vorher an eine Fachstelle wie berliner jungs, um sich beraten zu lassen.

Reden Sie mit Jungen darüber, dass es ein Zeichen von Stärke ist, sich Hilfe zu holen und keinesfalls schwach. Nehmen Sie unsere Broschüre für Jungen zu Hilfe, um mit Jungen ins Gespräch zu kommen – oder andere Infomaterialien, die wir Ihnen empfehlen können.

Vorwürfe helfen nur dem Täter.
Wenn ein Junge von den beschriebenen Täterstrategien oder von sexueller Gewalt betroffen ist, helfen Sie ihm am besten, wenn Sie voll und ganz auf seiner Seite stehen – auch wenn er zu jemandem ins Auto gestiegen ist, er sexuell erregt war oder Geschenke angenommen hat.

Vergessen Sie nie:
Nicht der Junge ist Schuld oder muss sich schämen, sondern der/die Täter_in alleine trägt die Verantwortung für den Übergriff.

Pädosexuelle Täter_innen legen ein raffiniertes Netz aus, in dem sich Jungen verwickeln, und das für Außenstehende fast unsichtbar ist. Sie arbeiten mit unterschwelligen oder offenen Drohungen, die an das Scham- oder Schuldbewusstsein von Jungen appellieren:

• Wenn du was erzählst, sag ich ich allen, dass DU es wolltest.
• Du hast ja Spaß dabei gehabt.
• Du bist ja freiwillig mitgekommen.
• Wenn das rauskommt, kommst du ins Heim!

Pädosexuelle Täter_innen achten auf die Körpersprache von Jungen (schlecht drauf sein, traurig sein, übermütig, ausgelassen) um Kontakt aufzunehmen und machen durch Vieles auf sich aufmerksam, das zunächst nichts mit Sexualität zu tun haben muss. So testen Sie aus, wie weit sie bei einzelnen Jungen gehen können.

Grundsätzlich gilt: Nicht jede Person die freundlich zu Jungen ist, hat ein sexuelles Interesse an ihnen. Aber die STRATEGIEN pädosexueller Täter_innen zu kennen, kann helfen, sie zu erkennen und sich rechtzeitig zu schützen.

Als Eltern, Passanten, Erziehungsberechtigte, Mitarbeiter_innen von Jugendhilfeeinrichtungen, Angestellte von Einkaufscentern und Schwimmeinrichtungen sind Sie potentielle Ansprechpartner_innen und Helfer_innen für Jungen, die sexuelle Übergriffe in der Öffentlichkeit erlebt haben.

 

Lassen Sie sich durch berliner jungs beraten.

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